Die 5 Phasen zur erfolgreichen Eingewöhnung eines neuen Rudelmitgliedes

von Simone Fasel

Zuhause mit einer ganzen Hundetruppe komplett harmonisch zusammenzuleben ist für viele ein Traum: die Hunde werden zu Freunden, spielen miteinander und alle zusammen bilden eine eingeschworene Gesellschaft.

Doch damit dies so tatsächlich zur Wirklichkeit werden kann, ist vor allem die Eingewöhnung eines neuen Rudelmitgliedes von entscheidender Bedeutung.

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Seit über 20 Jahren sind wir selber Rudelhalter und hielten immer zwischen zwei bis sieben Hunde verschiedenster Mischungen und Rassen – wobei viele der Hunde in Notfallsituationen als Problemfälle (und Begleiter auf Zeit) zu uns stiessen und nach einem Verhaltenstraining in ihre neuen Familien gezogen sind.

In diesem Blog stellen wir dir vor, welche Phasen der Eingewöhnung eines neuen Rudelmitgliedes sich als am erfolgversprechendsten erwiesen haben.

Die wichtigste Regel zuvor oder ein Mythos der Hundehaltung

Häufig werden wir gefragt: wie gestaltet man am besten das erste Treffen von neuem und alteingesessenen Hunden? Die Antwort darauf lautet: GAR NICHT.

Es ist ein absoluter Mythos, dass sich Hunde direkt treffen müssten. Und wir raten dir dringend davon ab, nach der Methode „auf neutralem Boden zusammenbringen, dabei bleiben und beten!“ zu verfahren. Statt eines direkten Treffens profitieren alle Hunde des Haushaltes davon, dass du sie gezielt Schritt für Schritt aneinander gewöhnst (lies weiter, um genau zu erfahren, wie du am besten vorgehst).

Sei nicht gestresst und überstürze nichts – du hast nun ja viele Jahre der Rudelhaltung vor dir, da muss nicht alles im ersten Moment geschehen.

Nicht selten hört man den Einwand „ich habe seit 30 Jahren Hunde und habe sie immer gleich zusammengebracht, da braucht man kein solches Theater zu machen!“.

Tatsächlich ist es folgendermassen: die Mehrheit der Hunde aus dem gleichen Haushalt gewöhnen sich früher oder später und mehr oder weniger aneinander.

Es gibt jedoch einen Zusammenhang zu einem der häufigsten Problemverhalten, welchen viele Hundehalter übersehen: superviele Hundehalter kennen das Problem: beim Spaziergang kommt ein anderer Hund entgegen und der eigene Hunde gebärdet sich wie wild.

Gar nicht so selten sind die Anfänge dieses Problems bei Mehrhundehaltern hausgemacht. Denn gerade für Welpen sind alle Begegnungen sehr einprägsam und besonders eine erste Begegnung bleibt im Gehirn haften. Selbst wenn dein alteingesessener Hund sich vielleicht aus Hundesicht korrekt verhält und den Welpen „nur mal für aufdringliches Verhalten korrigiert“, hat dein Welpe dabei ein negatives Erlebnis mit einem fremden Hund verknüpft. So werden Probleme mit anderen Hunden angebahnt.

Zudem trifft man auch immer noch auf eine ganze Menge an „Zuhause gesucht – Inseraten“, bei denen der Abgabegrund ist, dass sich die Hunde nicht irgendwann miteinander arrangiert haben, sondern sich gar nicht oder unzureichend aneinander gewöhnt haben.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die noch nicht fertig entwickelten Gelenke bei Welpen und jungen Hunden. Eigentlich passt man auf, dass der Welpe keine Treppen läuft, keine Sprünge macht… wenn er dann aber im Rudel direkt mit den erwachsenen Hunden konfrontiert ist, die sich den Welpen noch nicht gewöhnt sind und in seiner Anwesenheit eher aufgeregt sind (oder sich aufregen😉), nimmt man das Risiko in Kauf, dass die Welpengelenke bei Spielversuchen und „Erziehungsmassnahmen“ des Rudels wesentlich massiver belastet werden als dies bei jedem Treppenlaufen etc. der Fall wäre.

Viele engagierte HundetrainerInnen probieren zu erreichen, dass Fotos von Kindern, die auf Hunden herumkrabbeln etc. nicht mehr als „süss“ empfunden werden. Die gleichen Bemühungen müssten auch gemacht werden bei Welpen, die den alteingesessenen Hund bedrängen. Keiner der beiden beteiligten Hunde lernt dabei etwas Sinnvolles und es ist wichtig, dass wir hier die Initiative ergreifen und dies von vornherein verhindern.

Der alteingesessene Hund sollte sich nichts „gefallen“ lassen müssen, sondern wir sollten beide Hunde so aneinander gewöhnen, dass sie zu einem eingespielten Team werden – ohne gegenseitig für Stress und Frust zu sorgen.

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Die 5 Phasen

In dem du deine Hunde phasenweise immer mehr aneinander gewöhnst, erreichst du, dass die Hunde das lernen, was du selber für wünschenswert hältst: dass sie in Gegenwart des anderen eine entspannte Stimmung entwickeln und es trotz dem Hundekollegen schaffen, auf dich konzentriert zu bleiben.

Diese 5 Phasen eigenen sich sowohl, wenn du einen Welpen aufnehmen möchtest, als auch, wenn ein bereits erwachsener Hund dazu kommen soll.

Phase 1: Die Hunde lernen sich geruchlich kennen

Im Idealfall beginnt Phase 1 noch bevor dein neuer Hund einzieht: mache dein zukünftiges Rudel bereits geruchlich miteinander bekannt. Bringe z.B. nicht nur deinem Züchter eine Decke für deinen Welpen mit, sondern bitte ihn auch darum, dir eine Decke mit dem Geruch der Welpen für deine Hunde daheim mitzugeben.

Lege Zuhause die Decke hin und streue ein paar Leckerchen darauf, dein Rudel verknüpft so den Neuen bereits positiv – noch bevor es ihn das erste Mal getroffen hat.

Hunde leben in einem Paralleluniversum der Gerüche – und nicht nur bei ihnen sind Gerüche eng mit Emotionen verknüpft. Indem du die Hunde also bereits geruchlich positiv miteinander bekannt machst, bevor dein neuer Hund überhaupt einzieht, hast du euch alle bereits auf Erfolgskurs gebracht.

Wenn du dann den neuen Hund in dein Zuhause bringst, bedeutet dies sehr viel neuen Input für den Hund. Schon allein aus diesem Grund ist es wesentlich besser, wenn es sich nicht auch gleich noch mit einem ganz neuen, sozialen Gefüge auseinandersetzen muss. Gib dem Neuling also einfach mal die Zeit, „nur“ in Ruhe anzukommen und trenne die Hunde räumlich noch komplett (sorge auch dafür, dass die alteingesesseneren Hunde den „Neuen“ nicht mit Bellen erschrecken (sollte dies nicht möglich sein, ist es evt. für 1-2 Tage die beste Idee, wenn du die „alten Hasen“ bei ihrem Lieblingssitter unterbringst)).

Nach einem halben bis einem ganzen Tag kannst du damit beginnen, die Hunde in den leeren Raum zu bringen, in dem vorher der Hundekollege war, so dass sie den Raum ausgiebig abschnüffeln können. (Passe beim Raumwechsel auf, dass es noch kein Zusammentreffen gibt).

Phase 2: gemeinsames Training

Für Phase 2 brauchst du einen grösseren Raum und eine Möglichkeit, diesen Raum so zu unterteilen, dass die Hunde sich sicher fühlen und sich sehen können. Du kannst dafür z.B. Kindergitter verwenden oder im Fachhandel sogenannte Welpengitter kaufen. Achte unbedingt darauf, dass du die Gitter stabil befestigen kannst.

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Du selber bist mit dem Neuankömmling „hinter Gitter“ und dein erwachsener Hund ist bei deinem Helfer an der Leine.

Jeder Hund übt nun mit seinem Menschen: ideal geeignet sind dafür z.B. das ruhige Liegen oder ein Handtarget. Auch wenn die Hunde so auf den jeweiligen Menschen konzentriert sind, bemerken sie natürlich die Anwesenheit des anderen. Du hast aber eine ideale Situation geschaffen: anstatt, zu lernen, sich aufgeregt auf den jeweils anderen zu stürzen, verknüpfen die Hunde die Anwesenheit des Kollegen mit etwas Angenehmen (Leckerchenkriegen beim Menschen) und üben sich darin, eine ausgeglichene Stimmungslage in Anwesenheit des anderen zu haben.

Du hast also genau das erreicht, was du haben möchtest.

Wiederhole solche Übungssession so oft wie möglich und trenne die Hunde in der Zwischenzeit (so lange nötig) nochmals so, dass sie sich gar nicht sehen.

Wenn es durch die Wiederholungen so ist, dass die Hunde auf der ihren Seite der Raumunterteilung entspannt sind, kannst du beginnen, die Hunde auch ausserhalb der Übungssessions in ihrem „Raum – Teil“ sich frei bewegen zu lassen. Sei aber immer aufmerksam und lasse die Hunde in dieser Phase nie alleine. Trenne die Hunde, wenn sie zu aktiv werden oder du dir unsicher bist.

Du kannst es für einige Zeit so halten, dass du dich besonders neutral gegenüber deinem alteingesessenen Hund verhältst, wenn der „Neuzuzüger“ nicht anwesend ist und wenn die beiden zusammen im gleichen Raum (mit Raumunterteilung) sind, spendierst du extra viele Leckerchen und Streicheleinheiten. So wird dein Althund sehr schnell den „Wert des Neuen“ erkennen😉.

Phase 3: Paralleles Spazieren

Nun geht es einen Schritt weiter: die Hunde werden ihr gegenseitiges Verhalten und ihre Körpersprache noch besser kennen lernen und sich daran gewöhnen, auch dann die Selbstbeherrschung zu wahren, wenn sich der andere aktiver bewegt (viele Hunde reagieren auf sich bewegende Reize – es macht deshalb Sinn, dass du dies gezielt übst).

Haben sich die Hunde in Phase 2 schon soweit aneinander gewöhnt, dass sie entspannt in einem Raum zusammen sind, beginnt man nun damit, gemeinsam – parallel – zu spazieren. Es ist nicht das Ziel, die Hunde nun an der Leine zueinander hin zu lassen, sondern, dass sie sich aus einer gewissen Distanz (ca. 20 m – je nach Hundetyp, etwas mehr oder weniger) an die Bewegungen und Verhaltensweisen des anderen gewöhnen. Jeder Hund wird von einer Bezugsperson gehalten und kann dafür gemarkert werden, wenn er den anderen anschaut und dann daraufhin gleich so gefüttert werden, dass er lernt, seinen Blick auch wieder abzuwenden.

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Wähle den Spaziergang so, dass die Hunde entspannt schnüffeln können und sich so weiter daran gewöhnen, in Anwesenheit des Hundekumpanen gelassen zu sein und ihren Fokus zwischen dem Menschen, dem anderen Hund und der Umgebung hin- und her wechseln zu können.

Phase 4: Der alteingesessene Hund läuft frei

Wenn das parallele Spazieren komplett entspannt verläuft und die Hunde es nicht mehr nötig haben, sich dauernd im Auge zu behalten, sondern im Idealfall alles sogar etwas langweilig geworden ist – dann kannst du zu Phase 4 übergehen.
Auch für Phase 4 solltest du nochmals eine Helferin haben. In dieser Phase beginnt man, den alteingesessenen (und hoffentlich schon möglichst gut trainierten Hund) frei laufen zu lassen.

IMG_4888.jpgScheinbar zufälliges Schnüffeln von „Lillebror“…

Es ist auch in dieser Phase wichtig, die Hunde dafür zu belohnen, zu ihrem Menschen zu schauen, auf Signale zu reagieren bzw. sich zum Beispiel mit Schnüffeln zu beschäftigen.

Es ist keinesfalls nötig, einen direkten Kontakt selber herbeizuführen, sondern absolut bestens, falls die Hunde einfach in etwas Distanz schnüffeln. 

Phase 5: Beide Hunde sind frei

In dem du nun diese Vorarbeit geleistet hast, hast du für Phase 5 ideale Erfolgschancen geschaffen: nun kannst du das erste Mal beide Hunde frei zusammenbringen. Sollte dich dieser Gedanke noch etwas nervös machen, zögere nicht, nochmals Zeit in die früheren Phasen zu investieren.

Für Phase 5 brauchst du einen neutralen Bereich, in dem sich nun beide Hunde frei begegnen können. Wichtig ist, dass die Hunde weder zu eng beieinander sein müssen, noch, dass sie allzu viel Tempo entwickeln würden, wenn sie beginnen, miteinander zu spielen (der Bereich sollte also weder zu klein, noch zu gross sein). Achte darauf, dass nichts herumliegt, was einer der beiden Hunde als „Besitz“ betrachten könnte. Super ist es hingegen, wenn der Bereich etwas strukturiert ist, also wenn es z.B. Büsche hat, so dass die Hunde nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit auf das Gegenüber richten müssen.

Wähle einen passenden Moment, in dem beide Hunde in möglichst ausgeglichener Stimmung sind (beide sollten sich schon vorher genügend bewegt und eine Mahlzeit gehabt haben (die Mahlzeit nicht allzu kurz vor dem Zusammentreffen) – es ist ein bisschen wie bei uns Menschen: nach einem schönen Ausflug und einem guten Essen ist man in zufriedener Stimmung😉).

Halte das Zusammentreffen kurz und beende es, wenn alle Beteiligten noch entspannt sind. So erreichst du, dass die Hunde sich gegenseitig als „positiv und nicht allzu aufregend“ abspeichern – beste Voraussetzungen für euer weiteres Zusammenleben. 

Über mehrere Wiederholungen hinweg, kannst du die Dauer des gemeinsamen Zusammenseins ohne Leine immer weiter verlängern und schliesslich das Ganze auch nach drinnen verlegen (hier auch nochmals: räume alle möglichen Ressourcen weg).

Zusammenfassung – Checkliste für Phase 5:

Die Hunde haben alle 4 Phasen erfolgreich absolviert und sind entspannt in Abwesenheit des anderen

Die Hunde hatten an diesem Tag schon Gelegenheit, sich genügend zu bewegen und sind nicht hungrig

Ein neutraler Ort, nicht zu gross und mit etwas natürlicher Struktur (Büsche, etc.) steht zur Verfügung

Es sind keine Ressourcen (Fussball, verbuddelter Kauknochen…) vorhanden

Das Zusammentreffen wird kurz gehalten und nur über mehrere Einheiten hinweg verlängert

Teilweise wird befürchtet, dass eine solche (wie in den obigen Phasen beschriebene) konfliktfreie Zusammenführung verhindern würde, dass die Hunde lernen, miteinander zu kommunizieren. Aus über 20 Jahren Rudelhaltererfahrung können wir schon mal versichern, dass diese Befürchtung absolut unbegründet ist. Hunde lernen die so wichtige subtile innerartliche Kommunikation am besten im Umgang mit ihnen bereits vertrauten Hunden.
Auch im menschlichen Bereich würden wir nicht annehmen, wir würden nur lernen, miteinander zu kommunizieren, wenn man mal ordentlich aneinander gerät.

Wie lange dauert die Zusammenführung?

Je nach Hundetypen, die zusammengeführt werden sollen, können diese Phase sehr unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Bei den einen Hunden geht es darum, positive Verknüfungen mit dem neuen Hund aufzubauen und Aggressionen so zu verhindern. Bei anderen Hundetypen geht es eher darum, dass sie lernen, sich zu beruhigen und mit dem Mitbewohner sanft umzugehen.

Hat man einen eher ruhigen, sozial verträglichen Althund und einen Welpen einer eher ruhigen Rasse, ist es möglich, dass die 5 Phasen bereits in 3-4 Tagen erarbeitet sind.

Hast du jedoch einen nicht ganz so verträglichen alteingesessenen Hund und willst einen eher aktiveren Zweithund eingewöhnen, können sich diese Phasen über zwei bis drei Monate erstrecken.

Hast du bereits ein grösseres Rudel, ist es sinnvoll, die Phasen mit einzelnen „Paaren“ zu erarbeiten. Evt. gibt es kleinere Grüppchen, die du zusammen nehmen kannst (dies könnten z.B. zwei ruhigere, ältere Hunde sein, die du an einen ruhigen Neuankömmling aus dem Tierheim gewöhnst).

IMG_5528 2.jpgDie Hunde werden immer dafür belohnt, gute Entscheidungen zu treffen.

Du kannst dir jedoch ganz sicher sein: lohnen tut sich der Zeitaufwand auf alle Fälle. Denn dein Ergebnis wird maximal besser sein, als wenn du den Zufall zu sehr hättest mitspielen lassen. UND garantiert ist es wesentlich weniger zeitaufwändig als Problemverhalten managen und umtrainieren zu müssen, welches durch eine zu schnelle Zusammenführung entstanden ist.

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Weitere Informationen?

Möchtest du mehr Informationen zu diesem Thema und zu weiteren Trainingsthemen? Dann komm in unsere kostenlose Hundetrainings-Gruppe und sieh dir hier auch unser ausführliches Live-Video zur Eingewöhnung von neuen Rudelmitgliedern an:

https://www.facebook.com/groups/hundetrainingsonlineworkshop

1. August: Die drei besten Strategien für dich und deinen Hund

von Simone Fasel

Viele Hunde geraten bei lauten Geräuschen in Panik. Dagegen kannst du jedoch durchaus etwas tun – auch wenn es nur noch 1-2 Tage hin sind – wenn dein Hund noch keine Angst hat, kannst du verhindern, dass er Geräuschängste entwickelt und wenn dein Hund schon Angst haben sollte, kannst du ihm dabei helfen, dass diese nicht ganz so heftig ausfällt und sich allenfalls noch verschlimmern würde.

Strategie 1: Management

Das allerwichtigste ist das optimale Management: probiere so gut wie möglich, zu verhindern, dass dein Hund die Knallerei überhaupt hört. Bleibe keinesfalls mit deinem Hund Zuhause, wenn ihr an einem Ort lebt, an dem sehr lange und laut Feuerwerkskörper zu hören sind. Wenn du nicht 1-2 Tage verreisen kannst, gibt es einen anderen Trick: du kannst mit deinem Hund zur kritischsten Zeit eine Ausfahrt auf der Autobahn machen und das Autoradio laut spielen lassen. Der Lärm des Verkehrs und des Radios verhindern, dass dein Hund allzu viel von den 1. August – Feierlichkeiten mitbekommt (natürlich nicht gerade ökologisch – aber am 1. August fällt dies leider eh nicht mehr ins Gewicht).

Wenn du es riskieren kannst, Zuhause zu bleiben, solltest du unbedingt alle Fensterläden schliessen (denn auch die Lichter können deinen Hund ängstigen) und selber für möglichst ununterbrochene Geräuschuntermalung sorgen. Sehr gut geeignet sind dazu Musikrichtungen bzw. Geräuscharten, die das Knallen überdecken. Wenn dein Hund z.B. schon an Rockmusik oder andere Musikrichtungen mit Bass gewöhnt ist, kannst du diese abspielen oder so genannten „White noise“ (findest du z.B. auf youtube). Eine ebenfalls sehr wirksame Möglichkeit ist es, den Tumbler mit einigen Tennisbällen zu füllen und laufen zu lassen – das verursachte Geräusch ist für die meisten Hunde nicht beängstigend, da es rhythmisch ist und sorgt aber dafür, dass deinem Hund die Knaller wesentlich weniger auffallen (diese Methode solltest Du möglichst schon im Voraus mal ausprobieren) oder auch einen Ventilator laufen zu lassen.

Wenn dein Hund noch nicht an solche Musik/Geräuschüberdeckung gewöhnt ist, solltest du die weniger riskante Variante wählen und klassische Musik abspielen.

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Richte für deinen Hund zudem einen möglichst abgedunkelten Rückzugsort ein, evt. sogar im Keller, damit vom Feuerwerk möglichst wenig zu hören und zu sehen ist. Dazu kannst du z.B. eine Hundeboxe einsetzen, über die du eine Decke legst. Neben der Hundeboxe kannst du einen Pheromonstecker einstecken oder du kannst die Boxe mit einem Pheromonspray einsprühen. Ansonsten kannst du auch eine verdünnte Lavendelessenz (wirklich nur ganz wenig, nur 1-2 Tropfen, wirkt sonst ätzend auf die empfindlichen Nasenschleimhäute deines Hundes) auf die Decke über der Boxe träufeln.

Strategie 2: Gib deinem Hund etwas zu tun!

Überlasse deinen Hund keinesfalls sich selbst, sondern sorge dafür, dass er Beschäftigung hat. Dies hilft dabei, dass ein Gehirnteil aktiviert wird, der das Aufkommen von Angst unterdrücken kann.

Am besten geeignet sind Futtersuchspiele, bei denen dein Hund seine Energien darauf verwenden kann, an das Futter zu kommen. Du kannst dazu im Fachhandel verschiedene Spielzeuge kaufen wie Futterbälle, Futterwürfel, etc., die dein Hund über den Boden kullern kann und dadurch an die Leckerchen kommt. Ebenfalls sind „Schnüffeldecken“ ideale Beschäftigungsmöglichkeiten, die deinen Hund eine ganze Weile von der Angst ablenken können.

Du kannst aber auch selber kreativ werden und Kartonrollen mit Küchenpapier und Leckerchen füllen, so dass dein Hund eine Weile mit „Auspacken“ beschäftigt ist.

Ausgezeichnet geeignet sind auch Kongs, die du z.B. mit einem TL Erdnussbutter, Dosenfutter und Joghurt füllen kannst. Kongs kannst du sogar einfrieren, damit es länger dauert, bis dein Hund alles Futter herausgearbeitet hat.

Bereite genügend Beschäftigungsmöglichkeiten vor und gib deinem Hund diese wirklich nur, wenn man erste Geräusche hört. Ist dein Hund sehr ängstlich, solltest du eine Beschäftigungsmöglichkeit wählen, bei der er schnell zum Futter kommen kann (z.B. eine Schnüffldecke). Probiere es aus und richte dich ganz nach den Reaktionen deines Hundes.

Strategie 3: Lass die Knaller zur Ankündigung von etwas besonders Tollem werden

Sobald ein Knaller zu hören war, beginnst du sofort mit einem Zerrspiel mit deinem Hund. Warte nicht ab, um zu sehen, ob ihm das Knallen vielleicht doch nicht so viel ausmacht, sondern beginne sogleich, das Knallen mit einem tollen Spiel zu verknüpfen. Ist kein Knall zu hören, wartest du einfach ab und erst beim nächsten Knall geht das Zerrspiel wieder los. Ein Zerrspiel ist ideal, um deinem Hund dabei zu helfen, nicht in Panik vor den Knallern zu verfallen.

Hat dein Hund noch nicht gelernt, mit einem Zergel zu spielen, wäre dies nicht der richtige Moment, um damit zu beginnen. Verwende stattdessen ein Leckerchenwurfspiel für deinen Hund: sobald es knallt, wirfst du ein extra grosses und tolles Leckerchen für ihn.

Und wenn du mehrere Hunde hast, kannst du alternativ nach jedem Knaller jeden je einen Schleck aus einer Tube „Le Parfait“ nehmen lassen.

Entspannt Trainieren mit mehreren Hunden

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Ist es nicht schade, wenn das Training mit dem Hunderudel zu viel Stress verursacht und man es lieber gleich bleiben lässt? Oder wenn man ein schlechtes Gewissen haben muss, weil nur einer dabei sein kann und die anderen eingesperrt werden müssen?

Denn tatsächlich ist es (mit dem richtigen Vorgehen) ganz einfach, mit mehreren Hunden gleichzeitig zu trainieren. Ich zeige dir in diesem Artikel, wie du erreichen kannst, dass der Rest des Rudel ruhig auf den Einsatz wartet, während ein Hund mit dir trainiert.

Vom Chaos zu Spass – eine Schritt für Schritt – Anleitung

Das erfolgreiche Training mit mehreren Hunden basiert auf einem Perspektivenwechsel. Anstatt nur den „aktiven“ Hund im Rampenlicht zu sehen, muss man umdenken und zu Beginn vor allem den Fokus auf den wartenden Hund richten. Das Warten, obwohl ein anderer Hund direkt beim Menschen trainiert, ist die schwierigere Aufgabe und muss entsprechend gezielt aufgebaut und hochwertig belohnt werden.

Die wartenden Hunde sollten nie in eine Boxe gesperrt oder angeleint werden – sondern stattdessen lernen, dass es ihre (gut bezahlte;-)) Aufgabe ist, sich aktiv dafür zu entscheiden, auf ihrem Platz zu bleiben.

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Schritt 1: Zum Liegeplatz laufen und es sich da gemütlich machen

Zuerst müssen alle Rudelmitglieder einzeln lernen, sich auf einen bestimmten Platz zu begeben und es sich dann dort gemütlich zu machen. Dort sollen sie später einmal warten, während einer der anderen Hunde trainiert.

Mittels Clickertraining (Shaping) kannst du diese neue Aufgabe deinem Hund ganz leicht verständlich machen.
Du stellt dich dazu vis-à-vis von deinem Hund – sein künftiger Liegeplatz befindet sich zwischen euch beiden. Durch diese Positionierung wird dein Hund nun sehr wahrscheinlich eine Pfote auf diesen Liegeplatz setzen (um zu dir heranzukommen). Sobald der Hund diesen Schritt tut, sagst Du „yes“ (oder was Du sonst für ein Wort nehmen magst) und wirfst ein Leckerchen hinter ihn (Achtung: Untergrund ohne Ausrutschgefahr wählen). Dies wiederholst du 3 Mal und baust dann langsam auf diesem ersten Erfolg auf, indem du nun nur noch belohnst, wenn dein Hund zwei Pfoten auf den Liegeplatz setzt. Sobald der Hund gelernt hat, mit zuerst einer, dann beiden Vorderpfoten aufs Bett zu stehen, braucht es oft nur noch ganz wenig und schon hüpft der Hund mit allen vier Pfoten auf seinen Liegeplatz.

An die Erarbeitung des nächsten Übungsziels machst du dich am besten, wenn dein Hund schon etwas müde ist. Nun soll dein Hund sich nämlich auf seinem Platz hinsetzen oder -legen. Der Erfolg hängt dabei nicht unwesentlich davon ab, wie bequem der Liegeplatz ist! Du belohnst den Hund nun nicht mehr, sobald er mit allen vier Pfoten auf den Liegeplatz gestanden ist, sondern wartest, bis er Anstalten macht, sich zu setzen oder hinzulegen (das Leckerchen wirfst du jetzt nicht mehr weg, sondern gibst es dem Hund direkt ins Maul).

Achte von nun an darauf, deinen Hund mit seinem Namen zu rufen, bevor er selber von seinem Liegeplatz herunterkommt. So gewöhnt er sich an, auf seinem Platz zu bleiben, bis du ihn heranrufst.

Schritt 2: Auf dem Platz liegen bleiben – auch wenn rundherum das Leben tobt

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Geht dein Hund zügig auf seinen Liegeplatz und setzt oder legt sich da sofort hin, seid ihr bereit für die nächste Phase!

Nun geht es darum, mit dem Hund in kleinsten Schritten ein längeres Bleiben auf seinem Platz zu üben und dies auch, wenn es Ablenkungen um ihn herum hat.

Zuerst beginnst du nur damit, am längeren Warten auf dem Liegeplatz zu arbeiten. Dazu wartest du wieder bis dein Hund zu seinem Platz geht und anstatt ihm sein Belohnungsleckerchen sofort zu geben, zählst du nun innerlich zuerst auf „21 – 22“. Dann kannst du sekundenweise die Dauer immer weiter ausbauen, bis du die Belohnung gibst. Schafft der Hund 1-3 Sekunden, wartest du bei den nächsten Wiederholungen zwischen 5-10, dann 15 – 30, usw.. Probiere die Dauer immer ein bisschen mehr zu steigern – du musst aber keine absolut exakte Zeitdauer einhalten. Anstatt genau bei „34“ zu belohnen, ist es besser, dann das Leckerchen zu geben, wenn dein Hund gerade besonders gelassen wartet.

Kann der Hund ca. 2-3 Minuten bleiben (mit Zwischenbelohnungen), kommen nun auch Ablenkungen dazu. Du kannst dich zum Beispiel selber immer etwas mehr bewegen; im Raum auf- und abgehen, hüpfen, Schränke öffnen und schliessen, du kannst Spielzeug hervornehmen, Leckerchen fallen lassen, usw.

Die Kunst ist, den Schwierigkeitsgrad dieser Ablenkungen nur immer gerade um soviel zu steigern, dass es zwar eine kleine Herausforderung darstellt für den Hund, zu bleiben, er es aber möglichst in 9 von 10 Fällen trotzdem schafft.
Dieses Training solltest du idealerweise über 2 Wochen jeden zweiten Tag für 2 Minuten machen. Damit legst du eine supersolide Basis, dank der Trainingsspass fürs ganze Rudel für die nächsten Jahre garantiert ist.

Schritt 3: Ein anderer Hund beginnt, die „Ablenkung zu spielen“

Danach ist es Zeit für Schritt 3 (unser eigentliches Ziel). Dieser wird dank unserer Vorarbeit bei Schritt 1 und 2 nun fast zum Kinderspiel.
Nun beginnst du damit, während einem deiner „Liegeplatz“ – Trainings einen der anderen Hunde dazu zu nehmen. Wenn du „Frieda“ also bei einer Trainingslektion schon 3-5 Mal fürs Liegenbleiben bei verschiedenen Ablenkungen belohnt hast, lässt du „Bert“ ins Zimmer kommen und ihn eine kurze, möglichst wenig aufregende Übung machen. Z.B. „Bert – Sitz! Prima!“. Bleibt Frieda trotzdem auf ihrem Platz (und davon ist auszugehen, weil sie nun so oft dafür belohnt wurde und zu Beginn der aktuellen Trainingslektion auch noch ein paar Leckerchen zur Unterstützung ihres Gedächtnisses erhalten hatte), bekommt sie natürlich sofort eine Belohnung.

Wenn du mehr als zwei Hunde hast, ist es am idealsten, denjenigen Hund die Ablenkung spielen zu lassen, der schon am erfahrensten ist und auch über etwas Frustrationstoleranz verfügt. Denn auch wenn du immer probierst, auf alle Beteiligten zu achten, ist dein Hauptaugenmerk am Anfang auf dem wartenden Hund.

Von Training zu Training kannst du nun dazu übergehen, von Bert immer aktivere Übungen abzufragen, während Frieda auf dem Bett wartet.
Übe dies mit allen möglichen „Hundeduos“ bis dies problemlos klappt. Dann kannst Du dazu übergehen, dass zwei Hunde warten (später drei, vier… – je nach Grösse des Rudels;-)) und einer eine Übung bei dir macht.

Und so kann es dann einmal aussehen:

Problemlösungen

Gelegentlich wird sich einer der wartenden Hunde verlocken lassen, doch aufzustehen und heranzukommen. Hier ist es sehr wichtig, zu verhindern, dass der herangekommene Hund sich nach dem Aufstehen weiter belohnen kann. Dies bedeutet: die Aktion mit dem Hund, der bei dir ist, wird sofort gestoppt (du kannst diesen z.B. sitzen und warten lassen) – da jedes Weitermachen auch eine Belohnung wäre – und du gehst (absolut emotions- und kommentarlos) mit dem „Ausbrecher“ zu seinem Liegeplatz zurück und wartest da, bis er von selbst wieder raufhüpft. Sobald er dies tut, kannst du ihn ruhig loben, aber gib KEIN Leckerchen. Ansonsten würde dein Hund annehmen, er müsse nur kurz vom Bett herunter- und wieder hinaufhüpfen, wenn er schnell an ein Leckerchen kommen möchte;-).

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Nun geht es an die Umsetzung mit deinem Rudel

Ich bin gespannt, ob dir dieser Artikel Lust darauf gemacht hat, das Training mit mehreren Hunden in Angriff zu nehmen? Wie viele Hunde umfasst dein Rudel und wo siehst du mögliche Herausforderungen beim gemeinsamen Training? Schreib doch unten einen Kommentar!

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