1. August: Die drei besten Strategien für dich und deinen Hund

von Simone Fasel

Viele Hunde geraten bei lauten Geräuschen in Panik. Dagegen kannst du jedoch durchaus etwas tun – auch wenn es nur noch 1-2 Tage hin sind – wenn dein Hund noch keine Angst hat, kannst du verhindern, dass er Geräuschängste entwickelt und wenn dein Hund schon Angst haben sollte, kannst du ihm dabei helfen, dass diese nicht ganz so heftig ausfällt und sich allenfalls noch verschlimmern würde.

Strategie 1: Management

Das allerwichtigste ist das optimale Management: probiere so gut wie möglich, zu verhindern, dass dein Hund die Knallerei überhaupt hört. Bleibe keinesfalls mit deinem Hund Zuhause, wenn ihr an einem Ort lebt, an dem sehr lange und laut Feuerwerkskörper zu hören sind. Wenn du nicht 1-2 Tage verreisen kannst, gibt es einen anderen Trick: du kannst mit deinem Hund zur kritischsten Zeit eine Ausfahrt auf der Autobahn machen und das Autoradio laut spielen lassen. Der Lärm des Verkehrs und des Radios verhindern, dass dein Hund allzu viel von den 1. August – Feierlichkeiten mitbekommt (natürlich nicht gerade ökologisch – aber am 1. August fällt dies leider eh nicht mehr ins Gewicht).

Wenn du es riskieren kannst, Zuhause zu bleiben, solltest du unbedingt alle Fensterläden schliessen (denn auch die Lichter können deinen Hund ängstigen) und selber für möglichst ununterbrochene Geräuschuntermalung sorgen. Sehr gut geeignet sind dazu Musikrichtungen bzw. Geräuscharten, die das Knallen überdecken. Wenn dein Hund z.B. schon an Rockmusik oder andere Musikrichtungen mit Bass gewöhnt ist, kannst du diese abspielen oder so genannten „White noise“ (findest du z.B. auf youtube). Eine ebenfalls sehr wirksame Möglichkeit ist es, den Tumbler mit einigen Tennisbällen zu füllen und laufen zu lassen – das verursachte Geräusch ist für die meisten Hunde nicht beängstigend, da es rhythmisch ist und sorgt aber dafür, dass deinem Hund die Knaller wesentlich weniger auffallen (diese Methode solltest Du möglichst schon im Voraus mal ausprobieren) oder auch einen Ventilator laufen zu lassen.

Wenn dein Hund noch nicht an solche Musik/Geräuschüberdeckung gewöhnt ist, solltest du die weniger riskante Variante wählen und klassische Musik abspielen.

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Richte für deinen Hund zudem einen möglichst abgedunkelten Rückzugsort ein, evt. sogar im Keller, damit vom Feuerwerk möglichst wenig zu hören und zu sehen ist. Dazu kannst du z.B. eine Hundeboxe einsetzen, über die du eine Decke legst. Neben der Hundeboxe kannst du einen Pheromonstecker einstecken oder du kannst die Boxe mit einem Pheromonspray einsprühen. Ansonsten kannst du auch eine verdünnte Lavendelessenz (wirklich nur ganz wenig, nur 1-2 Tropfen, wirkt sonst ätzend auf die empfindlichen Nasenschleimhäute deines Hundes) auf die Decke über der Boxe träufeln.

Strategie 2: Gib deinem Hund etwas zu tun!

Überlasse deinen Hund keinesfalls sich selbst, sondern sorge dafür, dass er Beschäftigung hat. Dies hilft dabei, dass ein Gehirnteil aktiviert wird, der das Aufkommen von Angst unterdrücken kann.

Am besten geeignet sind Futtersuchspiele, bei denen dein Hund seine Energien darauf verwenden kann, an das Futter zu kommen. Du kannst dazu im Fachhandel verschiedene Spielzeuge kaufen wie Futterbälle, Futterwürfel, etc., die dein Hund über den Boden kullern kann und dadurch an die Leckerchen kommt. Ebenfalls sind „Schnüffeldecken“ ideale Beschäftigungsmöglichkeiten, die deinen Hund eine ganze Weile von der Angst ablenken können.

Du kannst aber auch selber kreativ werden und Kartonrollen mit Küchenpapier und Leckerchen füllen, so dass dein Hund eine Weile mit „Auspacken“ beschäftigt ist.

Ausgezeichnet geeignet sind auch Kongs, die du z.B. mit einem TL Erdnussbutter, Dosenfutter und Joghurt füllen kannst. Kongs kannst du sogar einfrieren, damit es länger dauert, bis dein Hund alles Futter herausgearbeitet hat.

Bereite genügend Beschäftigungsmöglichkeiten vor und gib deinem Hund diese wirklich nur, wenn man erste Geräusche hört. Ist dein Hund sehr ängstlich, solltest du eine Beschäftigungsmöglichkeit wählen, bei der er schnell zum Futter kommen kann (z.B. eine Schnüffldecke). Probiere es aus und richte dich ganz nach den Reaktionen deines Hundes.

Strategie 3: Lass die Knaller zur Ankündigung von etwas besonders Tollem werden

Sobald ein Knaller zu hören war, beginnst du sofort mit einem Zerrspiel mit deinem Hund. Warte nicht ab, um zu sehen, ob ihm das Knallen vielleicht doch nicht so viel ausmacht, sondern beginne sogleich, das Knallen mit einem tollen Spiel zu verknüpfen. Ist kein Knall zu hören, wartest du einfach ab und erst beim nächsten Knall geht das Zerrspiel wieder los. Ein Zerrspiel ist ideal, um deinem Hund dabei zu helfen, nicht in Panik vor den Knallern zu verfallen.

Hat dein Hund noch nicht gelernt, mit einem Zergel zu spielen, wäre dies nicht der richtige Moment, um damit zu beginnen. Verwende stattdessen ein Leckerchenwurfspiel für deinen Hund: sobald es knallt, wirfst du ein extra grosses und tolles Leckerchen für ihn.

Und wenn du mehrere Hunde hast, kannst du alternativ nach jedem Knaller jeden je einen Schleck aus einer Tube „Le Parfait“ nehmen lassen.

Entspannt Trainieren mit mehreren Hunden

IMG_0392von Simone Fasel
Ist es nicht schade, wenn das Training mit dem Hunderudel zu viel Stress verursacht und man es lieber gleich bleiben lässt? Oder wenn man ein schlechtes Gewissen haben muss, weil nur einer dabei sein kann und die anderen eingesperrt werden müssen?

Denn tatsächlich ist es (mit dem richtigen Vorgehen) ganz einfach, mit mehreren Hunden gleichzeitig zu trainieren. Ich zeige dir in diesem Artikel, wie du erreichen kannst, dass der Rest des Rudel ruhig auf den Einsatz wartet, während ein Hund mit dir trainiert.

Vom Chaos zu Spass – eine Schritt für Schritt – Anleitung

Das erfolgreiche Training mit mehreren Hunden basiert auf einem Perspektivenwechsel. Anstatt nur den „aktiven“ Hund im Rampenlicht zu sehen, muss man umdenken und zu Beginn vor allem den Fokus auf den wartenden Hund richten. Das Warten, obwohl ein anderer Hund direkt beim Menschen trainiert, ist die schwierigere Aufgabe und muss entsprechend gezielt aufgebaut und hochwertig belohnt werden.

Die wartenden Hunde sollten nie in eine Boxe gesperrt oder angeleint werden – sondern stattdessen lernen, dass es ihre (gut bezahlte;-)) Aufgabe ist, sich aktiv dafür zu entscheiden, auf ihrem Platz zu bleiben.

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Schritt 1: Zum Liegeplatz laufen und es sich da gemütlich machen

Zuerst müssen alle Rudelmitglieder einzeln lernen, sich auf einen bestimmten Platz zu begeben und es sich dann dort gemütlich zu machen. Dort sollen sie später einmal warten, während einer der anderen Hunde trainiert.

Mittels Clickertraining (Shaping) kannst du diese neue Aufgabe deinem Hund ganz leicht verständlich machen.
Du stellt dich dazu vis-à-vis von deinem Hund – sein künftiger Liegeplatz befindet sich zwischen euch beiden. Durch diese Positionierung wird dein Hund nun sehr wahrscheinlich eine Pfote auf diesen Liegeplatz setzen (um zu dir heranzukommen). Sobald der Hund diesen Schritt tut, sagst Du „yes“ (oder was Du sonst für ein Wort nehmen magst) und wirfst ein Leckerchen hinter ihn (Achtung: Untergrund ohne Ausrutschgefahr wählen). Dies wiederholst du 3 Mal und baust dann langsam auf diesem ersten Erfolg auf, indem du nun nur noch belohnst, wenn dein Hund zwei Pfoten auf den Liegeplatz setzt. Sobald der Hund gelernt hat, mit zuerst einer, dann beiden Vorderpfoten aufs Bett zu stehen, braucht es oft nur noch ganz wenig und schon hüpft der Hund mit allen vier Pfoten auf seinen Liegeplatz.

An die Erarbeitung des nächsten Übungsziels machst du dich am besten, wenn dein Hund schon etwas müde ist. Nun soll dein Hund sich nämlich auf seinem Platz hinsetzen oder -legen. Der Erfolg hängt dabei nicht unwesentlich davon ab, wie bequem der Liegeplatz ist! Du belohnst den Hund nun nicht mehr, sobald er mit allen vier Pfoten auf den Liegeplatz gestanden ist, sondern wartest, bis er Anstalten macht, sich zu setzen oder hinzulegen (das Leckerchen wirfst du jetzt nicht mehr weg, sondern gibst es dem Hund direkt ins Maul).

Achte von nun an darauf, deinen Hund mit seinem Namen zu rufen, bevor er selber von seinem Liegeplatz herunterkommt. So gewöhnt er sich an, auf seinem Platz zu bleiben, bis du ihn heranrufst.

Schritt 2: Auf dem Platz liegen bleiben – auch wenn rundherum das Leben tobt

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Geht dein Hund zügig auf seinen Liegeplatz und setzt oder legt sich da sofort hin, seid ihr bereit für die nächste Phase!

Nun geht es darum, mit dem Hund in kleinsten Schritten ein längeres Bleiben auf seinem Platz zu üben und dies auch, wenn es Ablenkungen um ihn herum hat.

Zuerst beginnst du nur damit, am längeren Warten auf dem Liegeplatz zu arbeiten. Dazu wartest du wieder bis dein Hund zu seinem Platz geht und anstatt ihm sein Belohnungsleckerchen sofort zu geben, zählst du nun innerlich zuerst auf „21 – 22“. Dann kannst du sekundenweise die Dauer immer weiter ausbauen, bis du die Belohnung gibst. Schafft der Hund 1-3 Sekunden, wartest du bei den nächsten Wiederholungen zwischen 5-10, dann 15 – 30, usw.. Probiere die Dauer immer ein bisschen mehr zu steigern – du musst aber keine absolut exakte Zeitdauer einhalten. Anstatt genau bei „34“ zu belohnen, ist es besser, dann das Leckerchen zu geben, wenn dein Hund gerade besonders gelassen wartet.

Kann der Hund ca. 2-3 Minuten bleiben (mit Zwischenbelohnungen), kommen nun auch Ablenkungen dazu. Du kannst dich zum Beispiel selber immer etwas mehr bewegen; im Raum auf- und abgehen, hüpfen, Schränke öffnen und schliessen, du kannst Spielzeug hervornehmen, Leckerchen fallen lassen, usw.

Die Kunst ist, den Schwierigkeitsgrad dieser Ablenkungen nur immer gerade um soviel zu steigern, dass es zwar eine kleine Herausforderung darstellt für den Hund, zu bleiben, er es aber möglichst in 9 von 10 Fällen trotzdem schafft.
Dieses Training solltest du idealerweise über 2 Wochen jeden zweiten Tag für 2 Minuten machen. Damit legst du eine supersolide Basis, dank der Trainingsspass fürs ganze Rudel für die nächsten Jahre garantiert ist.

Schritt 3: Ein anderer Hund beginnt, die „Ablenkung zu spielen“

Danach ist es Zeit für Schritt 3 (unser eigentliches Ziel). Dieser wird dank unserer Vorarbeit bei Schritt 1 und 2 nun fast zum Kinderspiel.
Nun beginnst du damit, während einem deiner „Liegeplatz“ – Trainings einen der anderen Hunde dazu zu nehmen. Wenn du „Frieda“ also bei einer Trainingslektion schon 3-5 Mal fürs Liegenbleiben bei verschiedenen Ablenkungen belohnt hast, lässt du „Bert“ ins Zimmer kommen und ihn eine kurze, möglichst wenig aufregende Übung machen. Z.B. „Bert – Sitz! Prima!“. Bleibt Frieda trotzdem auf ihrem Platz (und davon ist auszugehen, weil sie nun so oft dafür belohnt wurde und zu Beginn der aktuellen Trainingslektion auch noch ein paar Leckerchen zur Unterstützung ihres Gedächtnisses erhalten hatte), bekommt sie natürlich sofort eine Belohnung.

Wenn du mehr als zwei Hunde hast, ist es am idealsten, denjenigen Hund die Ablenkung spielen zu lassen, der schon am erfahrensten ist und auch über etwas Frustrationstoleranz verfügt. Denn auch wenn du immer probierst, auf alle Beteiligten zu achten, ist dein Hauptaugenmerk am Anfang auf dem wartenden Hund.

Von Training zu Training kannst du nun dazu übergehen, von Bert immer aktivere Übungen abzufragen, während Frieda auf dem Bett wartet.
Übe dies mit allen möglichen „Hundeduos“ bis dies problemlos klappt. Dann kannst Du dazu übergehen, dass zwei Hunde warten (später drei, vier… – je nach Grösse des Rudels;-)) und einer eine Übung bei dir macht.

Und so kann es dann einmal aussehen:

Problemlösungen

Gelegentlich wird sich einer der wartenden Hunde verlocken lassen, doch aufzustehen und heranzukommen. Hier ist es sehr wichtig, zu verhindern, dass der herangekommene Hund sich nach dem Aufstehen weiter belohnen kann. Dies bedeutet: die Aktion mit dem Hund, der bei dir ist, wird sofort gestoppt (du kannst diesen z.B. sitzen und warten lassen) – da jedes Weitermachen auch eine Belohnung wäre – und du gehst (absolut emotions- und kommentarlos) mit dem „Ausbrecher“ zu seinem Liegeplatz zurück und wartest da, bis er von selbst wieder raufhüpft. Sobald er dies tut, kannst du ihn ruhig loben, aber gib KEIN Leckerchen. Ansonsten würde dein Hund annehmen, er müsse nur kurz vom Bett herunter- und wieder hinaufhüpfen, wenn er schnell an ein Leckerchen kommen möchte;-).

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Nun geht es an die Umsetzung mit deinem Rudel

Ich bin gespannt, ob dir dieser Artikel Lust darauf gemacht hat, das Training mit mehreren Hunden in Angriff zu nehmen? Wie viele Hunde umfasst dein Rudel und wo siehst du mögliche Herausforderungen beim gemeinsamen Training? Schreib doch unten einen Kommentar!

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